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Klugheit


Zum weisen Philosophen Sokrates (gest. 399 v. Chr.) kam einer gelaufen und war voll Aufregung:
„Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund ...“ „Halt ein!“, unterbrach ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe‘?“, fragte der andere voll Verwunderung. „Ja, guter Freund, drei Siebe! Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen und …“ „So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen – ‚ so doch wenigstens gut?“ Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil...“ „Hm“, unterbrach ihn der Weise, „so lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so erregt!“ „Notwendig nun gerade nicht…“ „Also,“ lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“
Zitiert nach: Musterle, Alfons; Peternek, Günther; Schelling, Martin (Hrsg.): Wege der Freiheit 9, Stuttgart 1999, 38f.

 



Zucht und Maß

Aus dem Kapitel 64 der Ordensregel des heiligen Benedikt (480-543):
„Der eingesetzte Abt bedenke immer, welche Last er übernommen hat und wem er über seine Verwaltung Rechenschaft ablegen muss. Er soll wissen, dass er mehr zum Helfen als zum Befehlen da ist. Er sei nicht aufgeregt und überängstlich, nicht maßlos und eigensinnig, nicht eifersüchtig und nicht argwöhnisch, sonst kommt er ja nie zur Ruhe. Bei seinen Befehlen sei er umsichtig und überlegt; und mag der Auftrag, den er gibt, Göttliches oder Weltliches betreffen: Immer wisse er zu unterscheiden und Maß zu halten, eingedenk der weisen Mäßigung des heiligen Jakob, der sagte: Wenn ich meine Herden auf dem Marsch überanstrenge, gehen sie alle an einem einzigen Tag zugrunde. Er achte auf diese und andere Schriftworte von der weisen Mäßigung, der Mutter der Tugenden, und ordne alles so maßvoll an, dass die Starken angezogen und die Schwachen nicht abgeschreckt werden.“
Zitiert nach: Musterle, Alfons; Peternek, Günther; Schelling, Martin (Hrsg.): Wege der Freiheit 9, Stuttgart 1999, 41.

 

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