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Was Sie am Seminar Weingarten erwartet - unsere fachdidaktische Grundlagen

Das Fach Gemeinschaftskunde wird in Art. 21 der Landesverfassung Baden-Württembergs als „ordentliches Lehrfach“ in „allen Schulen“ festgeschrieben. Die Bedeutung unseres Faches liegt auch in dem allgemein anerkannten Ziel begründet, an der Herausbildung der mündigen Bürgerin und des mündigen Bürgers mitzuwirken.

Die Definition von „Mündigkeit“ ist eine eigene große Herausforderung, die auch in der Formulierung unterschiedlicher Kompetenzmodelle mündet. Das Modell der GPJE stellt eine Grundlage der fachdidaktischen Ausbildung am Seminar Weingarten dar:

Die einzelnen Kompetenzbereiche können nicht isoliert voneinander betrachtet werden, zum großen Teil bedingen sie einander. So kann ein profundes Sach- oder Werturteil nur auf der Grundlage einer gründlichen Situationsanalyse gefällt werden, eigene Meinungen und Positionen sollen geteilt und in der sachlichen Auseinandersetzungen mit anderen vertreten werden.

Die Rolle des Wissens ist in diesem Modell eine dienende: Das Ziel unseres Fachunterrichts ist nicht die Wissensvermittlung um ihrer selbst Willen, sondern die Auseinandersetzung mit politischen Fragestellungen, Problemen und Kontroversen, welche in der eigenen begründeten Positionierung münden soll. Dazu ist die Erarbeitung und die Anwendung von Fachwissen unerlässlich.

Hier gehen wir grundsätzlich von den Annahmen des Konstruktivismus aus: Menschen haben Vorstellungen von bestimmten Sachverhalten, die auf Annahmen und Vorwissen beruhen. Entscheidend sind hier aber nicht richtige oder falsche Einzelinformationen, sondern Deutungen und Erklärungen politischer Phänomene. Diese Konzepte sind beim Lernen wirksam, d.h. in einem Wechselspiel von Anpassung neuer Inhalte an bestehende Konzepte und Überwindung dieser Konzepte, wenn neue Inhalte und Erklärungen, die überzeugend sind, nicht in dass Bestehende integriert werden können, geschieht das Lernen. Daher muss sich die Planung von Unterricht mit dem Stand des Vorwissens und der sogenannten Prä-Konzepte der Lernenden auseinandersetzen.

Für die politische Bildung kann - konstruktivistisch gedacht - der gesamte Gegenstandsbereich unterteilt werden in grundlegende und für das Politische zentrale Einheiten oder Vorstellungen. Diese bezeichnen wir als Basiskonzepte. In der folgenden Darstellung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, werden solche Basiskonzepte und weitere an sie anknüpfbare Konzepte aufgezeigt:



Die Arbeit am konkreten Unterricht …

 … stellt den Kern der fachdidaktischen Ausbildung dar. Für die Unterrichtsplanung stellt sich die Frage, wie sich die Förderung der genannten Kompetenzen am besten erreichen lässt. Ansätze, die sich bei Planung und Durchführung von Gemeinschaftskundeunterricht bewährt haben, sind in fachdidaktischen Prinzipien formuliert. Diese werden in den Fachdidaktik-Sitzungen vertieft behandelt und lauten:

  • Problemorientierung
  • Kontroversität,
  • Handlungsorientierung,
  • Aktualität,
  • Exemplarisches Lernen,
  • Adressatenorientierung,
  • Wissenschaftsorientierung.

Zudem werden Analyse-Instrumente wie das Dimensionen-Modell des Politischen (polity-politics-policy) und der Politikzyklus vermittelt, um auf dieser Grundlage eine gelingende didaktische Reduktion durchzuführen: WAS soll WOZU im Unterricht behandelt werden, auf welche Aspekte eines Themas oder eines Fallbeispiels kann und muss verzichtet werden? Damit verbunden ist die Formulierung von Stundenzielen, die zudem natürlich mit den jeweils gültigen Bildungsplänen verknüpft werden müssen.

Die Phasierung des Unterrichts (Einstieg - Erarbeitung - Transfer/Urteilsphase), die Materialerstellung, die Auswahl von Methoden, Medien und Sozialformen, die Planung der Ergebnissicherung, die Gestaltung einer anregenden Urteilsphase unter Berücksichtigung von Urteilskategorien, Leistungsmessung und -bewertung - an praktischen Fragen, die in den Sitzungen behandelt werden können und müssen, herrscht wahrlich kein Mangel. Aktuelle Entwicklungen der didaktischen Diskussion wie die Beachtung von Tiefenstrukturen des Unterrichts (z.B. die kognitive Aktivierung der Lernenden) werden natürlich berücksichtigt.

Dem Beutelsbacher Konsens als Grundhaltung in der politischen Bildung widmen wir uns sehr ausführlich.

Ein großes Ziel der Ausbildung ist die Entwicklung von Reflexionsfähigkeit - nur wenn Sie einen klaren Blick für die Stärken und Schwächen Ihres geplanten und gehaltenen Unterrichts haben, können Sie sich während des Referendariats und in den vielen darauf folgenden Berufsjahren ständig verbessern. Dies ist auch der Geist, in dem die Unterrichtsbesuche stattfinden: Sie sind vor allem als Coaching- und Reflexions-Angebot zu begreifen, die Sie fit für den Beruf (und natürlich auch für die unterrichtspraktischen Prüfungen) machen sollen.

Im Sinne des ganzheitlichen Ansatzes unseres Seminars stehen dabei immer auch Sie mit Ihren individuellen Stärken und Fähigkeiten im Mittelpunkt der Ausbildung - den „Standardunterricht“ oder die „Standardlehrkraft“ gibt es nicht, wohl aber Anforderungen, den wir allen genügen müssen, und Schülerinnen und Schüler, denen wir gerecht werden müssen.

Der Rahmen der Ausbildung

  • 102 Stunden Fachdidaktik für das Fach Gemeinschaftskunde;
  • 51 Stunden Fachdidaktik für das Fach Wirtschaft;
  • Fachdidaktik-Sitzung im zweiwöchentlichen Rhythmus, in der alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich aktiv arbeitend mit den oben genannten praktischen und theoretischen Anforderungen auseinandersetzen, um einzelne Unterrichtsstunden und Unterrichts-sequenzen zu planen und zu reflektieren;
  • Kompakttage (z.Zt. im „Haus auf der Alb“ der Landeszentrale für politische Bildung und in Weingarten);
  • zwei beratende Unterrichtsbesuche bis zu den Sommerferien, ein weiterer Besuch vor Beginn des ersten Prüfungszeitraums;
  • Informationen zur Anfertigung einer DoKu im Fach Gemeinschaftskunde oder im Fach WBS/Wirtschaft oder als bilinguale Arbeit mit dem Sachfach Gemeinschaftskunde/Wirtschaft.

Bildnachweis:

Christoph Kühberger: Basiskonzepte der Politischen Bildung positionieren.

Printquelle: Kompetenzorientierte Politische Bildung, herausgegeben vom Forum Politische Bildung Informationen zur Politischen Bildung Bd. 29,
Innsbruck–Bozen–Wien 2008
Online-Zugriff unter http://www.politischebildung.com/pdfs/29_basispol.pdf, zuletzt am 16.2.19.

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